Sprach- und Völkerfamilien

Sprachfamilien nach der modernen Sprachforschung

Vergleicht man die verschiedenen Sprachen der Welt miteinander, dann fällt auf, dass es mehreren Gruppen von Sprachen gibt, die untereinander gewisse Ähnlichkeiten haben, sich jedoch von den Sprachen anderer Gruppen stark unterscheiden. Meistens werden die Sprachen einer Gruppe von Völkern gesprochen, die sich auch kulturell nahe stehen:

Sprachfamilie Volksgruppen
indoeuropäisch europäisch: Germanen, Griechen, Römer
asiatisch: Iraner (=Perser), Pakistaner, Arier (Inder)
ural-altaisch Sibirer, Finnen, Esten, Ungarn
turktatarisch Türken, Kaukasier
mongolisch Mongolen, Chinesen, Vietnamesen, Kambodschaner, Japaner
semitisch Araber, Hebräer (=Israeliten, Juden)
hamitisch Eritraäer, Somalier, Berber (nordafrikanische Urbevölkerung), Saharavölker
afrikanisch Afrikanische Völker
malaisch Malaien, Indonesier, Madagassen
dravidisch Dravidas (Ureinwohner Indiens)
papua Papuas, Aborigines (Ureinwohner Australiens)
indianisch Indianer
polar Eskimos

Die Geschichte der modernen Sprachforschung beginnt mit der Epoche der Renaissance (16. Jahrhundert), die wichtige Erkenntnis der Verwandschaft europäischer und indischer Sprachen und der ursprünglich dafür benutzte Begriff "indogermanisch" gehen auf H. J. Klaproth (1823) zurück.

Sprachfamlien: Uraltes Wissen

Die Erkenntnis, dass es Völker gibt, die näher miteinander verwandt sind, und solche, die einander fremder sind, ist aber keineswegs neu. Bereits in der Bibel (Genesis = 1. Buch Mose, Kapitel 10) wurden vor mehr als 3000 Jahren in der Gestalt von drei "Stammvätern" Sem, Ham, und Japhet Völkergruppen aufgeführt, die damals im Mittelmeerraum bedeutsam waren:


Ideologischer Missbrauch sprachgeschichtlicher Erkenntnisse

Seit es Menschen gibt, erfinden sie Werkzeuge und machen sich Gedanken über die Welt, in der sie leben. Viele Erfindungen haben das alltägliche Leben der Menschen erleichtert oder überhaupt erst ermöglicht. Erfindungen und Ideen können aber auch zum Schaden anderer Menschen missbraucht werden. Ein besonders gefährlicher und schändlicher Missbrauch der sprachgeschichtlichen Erkenntnisse über die indoeuropäische Völkerfamilie darf hier nicht unerwähnt bleiben: Joseph Arthur Graf von Gobineau (1816-1882) leitete daraus die rassistische Theorie des modernen Antisemitismus ab. Die Rassentheorie von Gobineau bildete die Grundlage der von Adolf Hitler begründeten Ideologie des Nationalsozialismus. Der Nationalsozialismus ist bekanntlich für den Holocaust [Völkermord an 6 Millionen Juden] während des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) verantwortlich.


© 2003 Markus Jud, Luzern Letztes Update: 1.8.2003
Alle Rechte vorbehalten. Reproduktion grösserer Teile in gedruckter oder elektronischer Form nur mit schriftlicher Einwilligung erlaubt. Zitate nur mit Quellenangabe (Link).

zurück: Antisemitismus in Europa Home
Geschichte der Schweiz